17.Spieltag, 10.04.2016 : FC Seeshaupt – SC Huglfing 0:2

Selten fiel es mir persönlich so schwer, geeignete Worte für solch eine Partie in die Tasten zu hauen. Immer wieder durchquert mich dabei dieser eine Gedanke: Was wäre, wenn wir diese drei Punkte daheim gelassen hätten? Logisch, unsere Ausgangsposition würde dann um ein vielfaches rosiger aussehen, als wie in der jetzigen Realität, dennoch hat wohl bisher immer noch kein einziger unter uns konkret verstanden, weswegen wir so eine desaströse zweite Hälfte ablieferten, nach einem nahezu perfekten ersten Durchgang. Doch spulen wir lieber einmal noch weiter zurück und analysieren diesen verdammten Sonntag aufs Neue.

Eigentlich setzte dieses unnatürliche, nervenaufreibende Gefühl schon Tage vor der Begegnung ein. Als klar wurde, dass kommende Spiel könnte der absolute Knackpunkt in der bisherigen Spielzeit werden, bereitete dies schon zu Beginn der neuen Kalenderwoche schlaflose Nächte in manchen Gemächern. Zugegebenermaßen, konnte weder Arbeit noch Schule, noch mein so innig geliebter FC Bayern auch nur kurzzeitig hierfür für Ablenkung sorgen. Als mich dann die ersten Sonnenstrahlen am Spieltag aufweckten, kannte die Aufregung und zugleich Vorfreude beinahe keine Grenzen mehr in meiner sterblichen Hülle. Nach meinem obligatorischen Entspannungslauf in Richtung Treffpunkt, hätten die Bedienungen für dieses absolute Topspiel, fast besser nicht sein können. Frühlingshafte Temperaturen, Motivierte Gesichter auf beiden Seiten, hervorragend präparierte Kabine (nochmal vielen Dank an den bestens aufgelegten Platzdienst) und sogar die Spielbälle konnten eine gar erschreckend runde Form aufzeigen (ist ja in der B-Klasse nicht unbedingt natürlich :)).

Genauso wie die Voraussetzungen, gestaltete sich auch das Aufwärmprogramm. Jeder einzelne war so dermaßen heiß auf die kommenden 90 Minuten, dass womöglich sogar die Hölle vor Neid erblasste, bei dem Anblick dieser 11 „Fischköpfe“. Und auch bei den letzten Instruktionen – kurz vor dem Anpfiff – konnte man merken, welche Wichtigkeit dieses Spiel für jedermann hatte. Als dann endlich der erlösende Anpfiff ertönte, legten beide Teams buchstäblich los, wie die Feuerwehr. Kein Zweikampf wurde gescheut, Möglichkeiten in beiden Strafräumen und hier und da, wurde tatsächlich auch mal „Fußball“ gespielt. Im Verlauf der ersten Halbzeit, begannen dann allerdings die Grün-Weißen allmählich das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und drückten aber mal so richtig auf den Stempel. Logischerweise, hatten die Torchancen nicht gerade die Intensität, als wie bei den letzten Spielen, da die Verteidigung der Gäste halt eben nicht aus kompletten Fremdkörpern bestand, jedoch brachten auch wir Sie das ein oder andere Mal gehörig ins schwitzen. Zu unserem Ärger, konnte keine einzige Chance verwertet werden, so dass Huglfing nun Oberwasser bekam und nun begann, die Partie wesentlich offener zu gestalten. Alles in allem äußerst sehenswerte 45 Spielminuten, wo beide hervorragend bestückte Fanlager, beinahe voll auf ihre Kosten gekommen waren. Zum Pausentee forderte uns Coach Höcherl noch einmal dringlichst dazu auf, jetzt bitte weiter so zu spielen, und nicht aufzuhören, denn das Spiel war ja noch lange nicht in unserer Hand.

Irgendwie kann ich mich gar nicht daran erinnern, ob wir während der Ansprache Musik hörten, oder mit dem Nebenmann scherzten, doch anscheinend fand diese moralische Andacht wohl kaum Gehör bei allen Beteiligten im Raum. Denn wie ausgewechselt präsentierte sich jedermann im zweiten Abschnitt. Alle positiven Aspekte von zuvor waren wie weggewischt und niemand schien verstanden zu haben, dass es noch eine gehörige Portion an Arbeit verlangte, um diese Schlüsselpartie nach Hause zu fahren. Stattdessen stellten wir eine derart unmögliche Vorstellung dar, welche wohl noch grausiger war, als die höchst kompetente Fernsehsendung „Germanys next Topmodel“, obwohl sogar da in manchen Folgen bestimmt mehr Attribute wie Leidenschaft und Gemeinschaft zu finden sind. Schlussendlich eine Aufstiegsunwürdige Darbietung unsererseits, weswegen ich mich im Namen der gesamten Mannschaft nochmals bei allen Zuschauern, die sich mit diesem Traditionsverein identifizieren können, entschuldigen muss. Somit kann eigentlich auch alles schnell heruntergepredigt werden: Vermeidbarer Standard für die Gäste → Abseitsverdächtiges 0:1. Knapp fünf Minuten später, Kollektivfehler der Abwehrreihe > 0:2, Spiel gelaufen. Auch die anschließenden Versuche womöglich doch noch etwas am Ergebnis zu ändern, scheiterten kläglich vor bzw. über dem Gehäuse der Huglfinger.

Enttäuschung und Frustration. So war wohl die allgemeine Gemütslage in unseren Köpfen die Stunden und Tage nach der so wichtigen Partie. Natürlich stellte die gegnerische Mannschaft ein anderes Kaliber, was das Personal anbelangte. Doch wer sich tatsächlich noch die zweite Halbzeit genehmigte, kann sich zumindest etwas vorstellen, warum ich dieses Spitzenspiel jetzt endgültig in die Akten verweisen werde. Doch zum Abschluss bleibt noch zu erwähnen:

Danke an alle Fans, die heute – auf beiden Seiten wohlgemerkt – so zahlreich vertreten gewesen sind. Noch nie durfte meine Wenigkeit, in so einer maroden Spielklasse, vor so vielen Zuschauern spielen. Es war ein durchaus atemberaubendes Gefühl, was mit mit ein Dreier sicherlich noch mal versüßt hätte. Tja, man kann im Leben nun einmal nicht immer alles haben!

(Michael Eberle)

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